Geschwister Kinder

Unsere Geschwisterkinder gewinnen den Frankfurter Bürgerpreis

Ein besonderer Abend für unsere Geschwisterkinder: Für ihren Kurzfilm „Eine einfache Frage“ wurden sie im Frankfurter Römer mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet – eine Anerkennung für ihre Stimmen, ihren Mut und eine Gemeinschaft, die immer weiter wächst.

Ein Preis für ihre Stimmen:

Es gibt Momente, in denen man plötzlich merkt, wie viel sich verändert hat.

Als unsere Geschwisterkinder am 20. August im Kaisersaal des Frankfurter Römers mit dem Frankfurter Bürgerpreis ausgezeichnet wurden, war das so ein Moment. Auf der Bühne standen Jugendliche, die mit ihrem Film „Eine einfache Frage“ etwas sehr Persönliches sichtbar gemacht haben – ihre Erfahrungen als Geschwister behinderter, chronisch erkrankter oder verstorbener Kinder und Jugendlicher. Dafür erhielten sie den Frankfurter Bürgerpreis und ein Preisgeld von 500 Euro von der Stiftung der Frankfurter Sparkasse 1822. 

Für Ariane Göttlicher und Marian Grau, die das Projekt leiten, war dieser Abend aber noch aus einem anderen Grund besonders. Denn beide haben miterlebt, wie sich unsere Geschwisterarbeit und vor allem die Gemeinschaft der Kinder und Jugendlichen  im vergangenen Jahr enorm entwickelt hat.

Aus einer einfachen Frage wurde etwas Großes

„Hast du eigentlich Geschwister?“

Eine ganz alltägliche Frage. Und doch eine, auf die es manchmal keine einfache Antwort gibt.

Genau davon handelt unser elfminütiger Kurzfilm „Eine einfache Frage“. Die Jugendlichen erzählen darin von ihrer Lebensrealität, von Gedanken und Erfahrungen, die Außenstehende häufig nicht kennen. Nicht, um Mitleid zu bekommen. Sondern um verstanden zu werden.

Der Film ist dabei längst mehr geworden als ein einzelnes Projekt. Er hat den Geschwistern eine Möglichkeit gegeben, selbst zu erzählen, was ihnen wichtig ist – und erlebt seit seiner Premiere im März 2026 eine Entwicklung, mit der wir so kaum gerechnet hätten.

Nun kam mit dem Frankfurter Bürgerpreis eine ganz besondere Anerkennung hinzu.

Oberbürgermeister Mike Josef würdigte bei der Preisverleihung das Engagement der ausgezeichneten Ehrenamtlichen. Gemeinsam mit 23 weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern wurden unsere Geschwister im Kaisersaal  des Frankfurter Römers geehrt. 

Und natürlich musste dieser Erfolg anschließend noch richtig gefeiert werden: Nach der Preisverleihung ging es gemeinsam zum Apfelwein Wagner.

Wenn aus einzelnen Jugendlichen eine Gemeinschaft wird

Seit Ariane im Sommer vergangenen Jahres die Leitung unserer Geschwisterarbeit übernommen hat, ist unglaublich viel passiert. Gemeinsam mit Marian begleitet sie die Kinder und Jugendlichen bei Treffen, Freizeiten und Projekten.

Dabei geht es nicht darum, ständig über das Leben mit einem behinderten, erkrankten oder verstorbenen Geschwister zu sprechen.

Manchmal geht es genau darum. Und manchmal überhaupt nicht.

Es geht um Freundschaften, gemeinsame Erlebnisse, ums Lachen, Ausprobieren und darum, andere zu treffen, bei denen man nicht viel erklären muss. Und immer häufiger geht es auch um eigene Ideen: Was möchten die Geschwister machen? Was möchten sie zeigen? Was möchten sie verändern?

„Eine einfache Frage“ ist vielleicht das sichtbarste Beispiel dafür geworden.

Und der Satz, mit dem eines unserer Geschwister den Bericht über den Bürgerpreis beendet hat, beschreibt sehr schön, warum uns diese Entwicklung so berührt:

„Dass die Arbeit der Geschwisterkinder für mehr Sichtbarkeit in der Gesellschaft mit solch einem Preis wertgeschätzt wurde, ist eine große Ehre und zeigt, dass es etwas bewirkt, wenn man sich und seine Situation in der Gesellschaft hörbar macht.“ 

Der Bürgerpreis ist kein Schlusspunkt

Vielleicht ist das das Schönste an diesem Abend: Er fühlt sich nicht wie der Abschluss eines Projektes an.

Im Gegenteil.

Für das kommende Jahr sind bereits drei große Vorführungen von „Eine einfache Frage“ geplant. Und die Jugendlichen werden nicht nur auf der Leinwand zu sehen sein. Im Anschluss an die Vorführungen soll es Gesprächsrunden geben, in denen über das gesprochen werden kann, was der Film anstößt.

Auch abseits des Films wächst unsere Geschwisterarbeit weiter.

Am 6. Dezember werden wir im Rahmen unserer Weihnachtsfeier eine Ausstellung mit Kunstwerken zeigen, die während unserer Geschwisterangebote im Frühjahr entstanden sind. Wieder bekommen damit Gedanken und Erlebnisse der Kinder und Jugendlichen einen eigenen Raum – diesmal nicht als Film, sondern als Kunst.

Und in den Osterferien geht dann ein Wunsch in Erfüllung, der schon lange auf der Liste steht:

Wir fahren ans Meer.

Für unsere Geschwister geht es gemeinsam an die Nordsee. Zeit miteinander, raus aus dem Alltag, Wind im Gesicht, wahrscheinlich ziemlich viel Sand überall – und hoffentlich Erinnerungen, die bleiben.

Wir sind gespannt, wohin uns das noch führt

Wir sind sehr froh darüber, dass Marian vor drei Jahren das Projekt „von Geschwistern für Geschwister“ initiert hat. Als Ariane im vergangenen Sommer zum ersten Mal gemeinsam mit ihm eine Begegnung geleitet hat, war vieles von dem, was heute entstanden ist, noch nicht absehbar. 

Heute gibt es eine wachsende Gemeinschaft. Es entstehen Filme, Kunstwerke und neue Ideen. Die Jugendlichen stehen nach Filmvorführungen vor Publikum und sprechen über ihre Erfahrungen. Sie planen mit, bringen sich ein und machen sichtbar, was Geschwistersein für sie bedeutet.

Unsere Aufgabe als Philip Julius e.V. ist es, ihnen dafür den Raum zu geben, sie zu begleiten und manchmal auch einfach zu schauen, wohin ihre eigenen Ideen führen.

Der Frankfurter Bürgerpreis ist deshalb für uns weit mehr als eine Auszeichnung für einen elfminütigen Film.

Er ist eine Auszeichnung für die Geschwister, die den Mut hatten, ihre Geschichten zu erzählen. Und vielleicht auch ein kleines Zeichen dafür, was entstehen kann, wenn wir ihnen zuhören.

Gruppe vor Roemer in Frankfurt am Main mit Urkunde vom Bürgerpreis
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